In den vergangenen Monaten wurde die Forex/CFD Branche massiv umgekrempelt, Hebel deutlich beschränkt und die Regulierung der Broker ausgeweitet. Das Ganze hat einen fahlen Beigeschmack, wirft es doch die Frage auf, ob es hier wirklich um den Anlegerschutz geht oder eine gewisse Lobby die unliebsame Konkurrenz der Forex-Broker aus dem Weg räumen möchte.

Warum sollte das geschehen?

Das liegt auf der Hand. CFDs sind sehr transparente Produkte, ohne komplizierte und manchmal überhaupt nicht zu durchschauende Berechnungsgrundlagen wie bspw. einige Optionen und Derivate. Zudem deutlich günstiger. Genau hier liegt der Knackpunkt. Die Forex-Broker verzeichneten seit ca. 2011 atemberaubende Wachstumszahlen und erzielten riesige Margen.

Zukunft für Forex und CFDs

Fakt ist: Die goldenen Zeiten sind vorbei.

Zum einen haben sich die Broker in eine schädigende Abwärtsspirale bzgl. der Spreads und Kommissionen begeben. Zum anderen wurden immer höhere Hebel gewährt. Teilweise mit 1:1000, was den Handel für immer kleinere Handelskonten immer attraktiver machte. Das ist Wahnsinn. Dass sich die Regulierungsbehörden und die Konkurrenz aus der regulären Bankenbranche dieses Spiel nicht ewig anschauen würden, war abzusehen. Für die Maßlosigkeit einiger bezahlen nun alle anderen die Rechnung. Sind wir doch mal ehrlich: Der uns allen, in seiner ursprünglichen Form, bekannte Forex-Handel ist faktisch abgeschafft. Ich gehe auch nicht davon aus, dass die ESMA und alle, mit bilateralen Abkommen verbundene Regulierungsbehörden (FCA, FINMA -Ja, rechtlich betrachtet auch die Schweizer) die getroffenen Maßnahmen zurücknehmen werden. Im Gegenteil. Die Regulierungen werden meiner Erwartung nach noch verschärft.

Hier stehen wir nun. Ein, durch schwarze Schafe in der eigenen und neidvollen Konkurrenz in der traditionellen Finanzbranche, selbst erzeugter Scherbenhaufen. So kann es nicht weitergehen.

Und jetzt regnet es kreative Lösungsvorschläge. Von Offshore Brokern in Fernost bis hin zu “neuen” Produkten. Meiner Meinung nach wird das die Probleme nicht lösen und im schlimmsten Fall die Regulierungsbehörden veranlassen, noch restriktiver vorzugehen. Kann ich verstehen. Wenn ich mir als ESMA, Bafin oder wer auch immer veralbert vorkommen würde, legen die Samthandschuhe schnell in der Schublade. Tricksereien sind demnach keine nachhaltige Lösung.

Zeichnen wir doch mal ein mögliches Szenario für die Zukunft. Natürlich werden unheimlich viele Forex-Broker untergehen. Logisch. Doch das ist unbedingt zu begrüßen! Die starken, die großen Player oder jene, die sich in dieser Form transformieren, werden übrigbleiben. Doch denken wir weiter. Nicht nur die Broker wird es treffen. Nein. Auch die sogenannten IBs, Introducing Broker. Also Einzelpersonen oder Unternehmen, die potentielle Kunden zu den verschiedensten Brokern weitergeleitet haben. Manchem seriös, oftmals eher nicht. Viele werden sich verabschieden müssen. Auch ich mache das seit Beginn meines öffentlichen Auftritts und trennte mich bereits von dem einen oder anderen Broker bzw. brach die Zusammenarbeit noch vor dem eigentlichen Start ab. Warum? Weil ich an Seriosität glaube bzw. ebenfalls einen Lernprozess durchlaufen musste. Tricksereien haben keine Zukunft mehr und genau deshalb werde ich für meinen Teil nur noch mit Brokern zusammenarbeiten, die den Regulierungsbehörden entgegenkommen, nach legalen Auswegen bzw. Alternativen suchen, sich breiter aufstellen und somit eine Zukunft für meine Follower und mich darstellen. Ich kann das nicht nur, ich muss.

Natürlich wird das Konsequenzen haben. Irgendwo anders wird man höhere Hebel bekommen, zweifelhafte Boni etc. Ein Trader, der seine Zukunft wirklich nachhaltig plant und nicht nur an die Million in 10 Monaten glaubt, wird einen Broker wählen, der sich breiter aufstellt. Die Lösung für die Broker wird sein die Angebotspalette zu erweitern respektive nicht nur auf CFDs zu setzen, die Handelskonditionen wieder zu erhöhen und damit insgesamt eine nachhaltige Entwicklung anzustreben. Mehr Qualität anstatt Quantität durch absurd hohe Hebel. Die Lösung für die Trader wird sein, sich vom Gedanken zu verabschieden mit 300€ Handelskonten reich zu werden, keine Zeit für die Ausbildung zu investieren und endlich zu einer seriösen Mischung aus Trader (kategorisieren wir ihn einfach als kurz- bis mittelfristigen Akteur) und Investor heranzuwachsen. Dafür brauchen alle Beteiligten Mut und Scharfsinn, doch die am Ende übrig bleiben, werden auch weiterhin in eine spannende und lukrative Zukunft blicken. Wer einfach die Augen zumacht und glaubt dieses Gewitter würde an ihm vorbeiziehen, hat meiner Meinung nach schlechte Karten.

Bewegung heißt Leben.

Peter Seidel

1 Kommentar

  1. Susanne Stahlberg 18. Juli 2018 um 17:43

    Hallo Peter,
    vielen Dank für deine Einschätzung!
    Viele Grüße aus Köln
    Susanne